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Rezensionen und Zitate zu

Hamel/Nicholls (Hrg.)

HANDBUCH

„Familiäre Gewalt im Fokus“

Fakten – Behandlungsmodelle – Prävention

Rezensionen


„Dieses Buch stellt einen bedeutenden Fortschritt in der Forschung zu häuslicher Gewalt dar. Seine Vielzahl an zeitgemäßen theoretischen Perspektiven und seine neuen empirischen Erkenntnisse werden es mit Sicherheit zu einer wertvollen Quelle sowohl für Forschung als auch für Therapie und Gesetzgebung machen.“
Dr. Jamila Bookwala, Assistenzprofessor am Department für Psychology des Lafayette College


„Ein sehr erhellendes Buch, das pragmatische und innovative Lösungsansätze für die Prävention und Therapie von Gewalt zwischen Lebenspartnern im 21. Jahrhundert bietet.“
Jan Brown, Gründer und Leiter der Domestic Abuse Help Line for Men and Women


Wir müssen die Vielgestaltigkeit häuslicher Gewalt zur Kenntnis nehmen und unsere Eingriffe und Richtlinien entsprechend anpassen. Dieses Buch zeigt dem Leser, wo wir herkommen und wohin wir uns bewegen müssen, wenn wir uns diesem gesellschaftlichen Problem in angemessener Weise stellen wollen.“
Dr. David B. Sugarman, Professor für Psychologie am Rhode Island College

Zitate aus den Buchkapiteln


„Die vorliegende Anthologie liefert nun Forschern, Ärzten, Gesetzgebern und Initiativen eine Sammlung von Artikeln, die auf geschlechterspezifische Weise die Zusammenhänge von häuslicher Gewalt untersuchen. Es gibt keine einfachen Antworten; diese Kapitel bieten dem Leser Einblick in die Komplexität häuslicher Gewalt.“


„……. dass 63 Prozent der Kinder, die Gewalt zwischen Ehepartnern miterlebt hatten, insgesamt eine langsamere Entwicklung als andere Kinder zeigten. Zu den Symptomen, die in dieser Studie und durch andere Forscher identifiziert wurden (z.B. Wolak & Finkelhor, 1998), gehören geringes Selbstwertgefühl, Symptome von Beklemmung und Trauma, Depression, Aggression, gestörtes Beziehungsverhalten und schlechte schulische Leistungen. Diese Symptomatik bei Kindern wurde auch mit dem Miterleben von Ehekonflikten und verbaler Misshandlung in Zusammenhang gebracht (Cummings & Davies, 2002; Repetti, Taylor & Seeman, 2002; Straus & Smith, 1990; Wolak & Finklehor, 1998).“


Frühkindliche Misshandlung oder Vernachlässigung durch die primäre Bezugsperson kann eine dauerhafte Schädigung dieser Hirnregion verursachen, was „insbesondere unter Stress zu lebenslanger Einschränkung der Fähigkeit zur Regulierung der Intensität, Häufigkeit und Dauer negativer Urzustände, wie Zorn, Angst und Scham“ führen kann (Karr-Morse & Wiley, 1997, S. 38).


Wenn Familientherapie nicht funktioniert, sollten Sie eine Erweiterung des Systems in Betracht ziehen. Lassen Sie beispielsweise Großeltern, Tanten und Onkel, Freunde, einen Geistlichen oder Mitglieder der Kirchengemeinde an den Sitzungen teilnehmen. Ein erweitertes System ist stabiler; es kann in spannungsgeladenen Zeiten Entlastung bei Betreuungsaufgaben bieten und die Familie bei der Veränderung von Gewaltmustern unterstützen.


Viel zu lange schon werden Theorie, Forschung und Praxis im Bereich der häuslichen Gewalt durch ein Paradigma der Bestrafung gehemmt, das nur einen Teil des Problems aufs Korn nimmt:
Eine Analyse der National Family Violence Surveys, die die Berichte der Frauen auswertete (Straus, 1993), machte deutlich, dass einseitige Gewalt in Partnerschaften mit einem
Anteil von etwa 25 Prozent bei Männern und Frauen auftrat. Sie machte ebenso deutlich, dass in etwa der Hälfte der Haushalte beide Partner im vergangenen Jahr körperliche Übergriffe am jeweils anderen verübt hatten und dass die Gewalt in der Mehrzahl der Fälle von den Frauen ausgegangen war.


Heute wissen wir – und die in diesem Band beschriebenen Forschungsergebnisse und Interventionen bestätigen dies –, dass die Behandlung eine große Bandbreite an Geschlechterdynamiken abdecken muss, inklusive der Gewalt, die von heterosexuellen Frauen oder zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern ausgeübt wird, sowie die Tatsache, dass Missbrauchspraktiken bis tief in Familiensysteme eindringen und Generationen überschreiten können. (Prof. Linda Mills)


Die Forschung zeigt, dass einer der gefährlichsten Abschnitte in vielen Nahebeziehungen, in denen Missbrauch auftritt, mit dem Punkt beginnt, an dem einer der Partner die Beziehung zu beenden versucht (Murray Straus)


Zweitens legen sie dar, dass wir die Dynamik der Gewalt in Paarbeziehungen nicht vollends erfassen können, solange wir unseren Analyserahmen nicht über eine Einzelerklärung (nämlich das Patriarchat) hinaus erweitern. Und schließlich stellen sie die Auffassung in Frage, dass alle Männer potenziell gewalttätig seien.


Die „schlechte Nachricht“ ist, dass Schlichter, Gutachter und Richter alle nach traditionellen, veralteten Modellen ausgebildet werden, die die Viktimisierung von Frauen überbetonen und kaum zwischen Beziehungen mit tatsächlichem Missbrauch und schwer konfliktlastigen Beziehungen unterscheiden.


Wie viele der in diesem Band vorgestellten Modelle nimmt es zur Kenntnis, dass a) Opfer, die sich dafür entscheiden zu bleiben üblicherweise nicht wollen, dass ihr Partner inhaftiert wird, sondern dass dieser Hilfe erhält, um sein Verhalten zu ändern; und dass b) patriarchale und andere einseitige Erklärungen für Gewalt beschränkt sind und die Realität des beiderseitigen Missbrauchs sowie die Komplexität der Dynamik von Paarbeziehungen ignorieren.


Die Ursachen des Partnermissbrauchs sind unterschiedlich, unterscheiden sich jedoch nicht nach den Geschlechtern


Es ist keineswegs so, dass Männer Frauen „von Natur aus“ dominieren; ökonomische Knappheit und andere, ökologische Faktoren bestimmen, ob sie Machtpositionen einnehmen und ob es wahrscheinlich ist, dass sie diese Macht missbrauchen.


Die größere strukturelle Macht, die Männer in patriarchalen Gesellschaften genießen, schlägt sich nicht notwendigerweise in dyadischen Beziehungen nieder (Glick & Fiske, 1999).


„Es gibt keinen Beweis“, schreibt der Psychologe David Adams (1992), „für den Mythos, dass der Mensch die allgemeine Tendenz unter Säugetieren geerbt hat, dass das Männchen aggressiver ist als das Weibchen.“ (S. 23)


Sowohl männliche als auch weibliche Befragte bestätigen in Studien Kontrolle, Vergeltung und das Bedürfnis, die ungeteilte Aufmerksamkeit des Partners zu erhalten als Motive für
Gewalt in der Partnerschaft.


Zu den Risikofaktoren der von Frauen verübten Gewalt gehören der Stress bei niedrigem
Einkommen und Arbeitslosigkeit (Magdol, Moffitt, Caspi, Fagan & Silva, 1997), das Leben in einer Kurzzeitbeziehung oder in einer Wohngemeinschaft, ein Alter von unter 30 Jahren (Morse, 1995; Sommer, 1994; Straus et al., 1980), Missbrauchserfahrungen in der Kindheit (Babcock et al., 2003; Conradi, 2004) sowie eine Gewalt befürwortende Einstellung
(Follingstad et al., 1991; Simmons, Lehmann & Cobb, 2004).


Die Faktoren, die den Missbrauch unter Partnern verursachen und fortsetzen, sind nicht nur in den jeweiligen Individuen zu suchen, sondern im Konflikt selbst - in der Dynamik, die in jenen Beziehungen zu finden ist, die zum Beispiel von schlechter Kommunikation, von schlechter Problemlösungskompetenz und von situationsbedingten Stressfaktoren bestimmt sind.


Forschungsergebnisse weisen auch darauf hin, dass das Zusammentreffen von Individuen mit spezifischen Bindungsstilen, wie etwa von jemandem, der Intimität fürchtet mit jemandem, der das Verlassenwerden fürchtet, die Wahrscheinlichkeit von körperlichem Missbrauch erhöht (Bartholomew, Henderson & Dutton, 2001; Bookwala, 2002; Roberts & Noller, 1998).


Selbstverteidigung nicht das Hauptmotiv von Übergriffen, für keines der Geschlechter. Berichte von Frauen zu Selbstverteidigung reichen von sehr niedrigen fünf Prozent in Datenmaterial von Therapie und Forschung (Cascardi & Vivian, 1995) bis zu 40 Prozent unter Frauen in Frauenhäusern (Saunders, 1986).


Umfragen in der Gesamtbevölkerung und Studien zu Kurzzeitbeziehungen (Follingstad et al., 1991; Sommer, 1994) setzen den Anteil an Selbstverteidigung bei 10 Prozent für Männer und nur 20 Prozent für Frauen an.


Tatsächlich erfordern, wie in diesem Buch ausführlich demonstriert wird, selbst Fälle mit eindeutigen „Opfern“ und „Tätern“ einen systemischen Ansatz, weil Opfer, die ihrem Peiniger entkommen und unbehandelt bleiben, sich oft erneut in Missbrauchsbeziehungen begeben, sich und ihre Kinder weiteren Traumatisierungen aussetzen und die Wahrscheinlichkeit des Missbrauchs in der nächsten Generation erhöhen.